Die geschichtlichen Parallelen boten und bieten sich wie von selber an; man ist versucht,
von einem spezifisch deutschen Schicksal zu sprechen. Denken wir nur an die Hauptpersonen:
Büchner lehnt sich aus humanistisch-fortschrittlichen und Rektor Weidig aus religiösen Gründen
auf. Oder denken wir an August Becker, den ›roten‹ Becker, den revolutionären Aktivisten, vermutlich
mit dem illegalen Blick, wie wir ihn alle kennen. Und von der Gegenseite brauchen wir nur einen so
reinen Gestapotyp wie Georgi zu erwähnen, den bürokratischen Henker, der im deutschen Kleinbürger
auf der Lauer zu liegen scheint. Die Namen lassen sich unschwer mit Namen aus der jüngsten Vergangenheit
auswechseln.'
Hans Erich Nossack über sein Stück in der Büchnerpreisrede 1961
Hans Erich Nossack veröffentlichte Der Hessische Landbote - 'Ein deutsches Trauerspiel' zu Lebzeiten nicht.