„Nur wußte ich nicht, daß es Dinge gibt, die sich nicht aufnehmen lassen und aus denen kein Bild wird, obwohl es sie gibt.”

Sommer 1980: In einem Manager-Kurheim im Taunus drängt ein Werbefachmann dem zunächst widerstrebenden »Herausgeber dieser Notizen« als Filmvorlage die hochseltsame Geschichte auf ("Sie sehen, wie das alles ineinander verfilzt ist"), in die er zehn Jahre vorher hineingezogen wurde und die ihn, seiner auffälligen spirituellen Harthörigkeit zum Trotz, seither nicht losgelassen hat:
Die gestohlene Melodie -- »Der Titel allein ist Gold wert« -- mit metaphysischer Oberschwingung gehört nach »Drüben«, wo jene verkehren, die gewissermaßen mit den Toten vom Mohn aßen. Zwar verlieren sie nicht den leisesten Ton von ihr, müssen aber entdecken, daß die Tonfolge hüben. geklaut irgendwie und zum Schlager verkommen. ein Hit geworden ist -- immerhin zu Worten von William Blake (1757 bis 1827): »Geh hin und liebe.«
Ein mediokrer Arrangeur hat einen moribunden Friedhofsgärtner die Jenseits-Melodie summen hören und hat sie dann fürs zeitgenössische Musikgeschäft gängig gemacht. Sein damaliger Schwiegervater, Studienrat für Englisch mit mißglücktem Selbstmordversuch, erkannte, daß diese Melodie und der Text des englischen Mystik-Poeten Blake zusammengehörten.
All diese Absonderlichkeiten sind von Hans Erich Nossack, 71, mit einem Personal sympathischer Sonderlinge an den bevorzugten Schauplätzen des unnachgiebig produktiven Schriftstellers -- Hamburg und Frankfurt -- zu einem wohlüberlegten Beziehungsgefüge verstrickt worden: Erzählung in der Erzählung in der Erzählung.
Die Geschehnisse darin jedoch wirken so, als wären sie aus den fünfziger Jahren in diese vorgeblichen siebziger transportiert worden. Und es macht Mühe, den Autor, wie schon in früheren Werken (zum Beispiel in »Dem unbekannten Sieger"), das ganze Buch über mit verstellter Stimme sprechen zu hören.
Quelle: DER SPIEGEL 48/1972